Burn out – seelischer Kollaps im Hamsterrad?

(Quelle: BAD) Immer wieder nehmen Berichte über „Ausgebranntsein“ oder „Burn out“ großen Raum in der Presse ein. Die statistischen Zahlen, dass jeder 10. Ausfalltag psychisch bedingt ist, und die Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen im Zeitraum von 1994 bis 2010 um ca. 80 % gestiegen sind, zeigen die wirtschaftliche Bedeutung und auch die medizinische Relevanz.

Ähnliche Phänomene wie „Burn-out“ sind vermutlich auch in zurückliegenden Epochen aufgetreten. Im Alten Testament wird Mose eine Überforderungssituation bei mangelnder Delegationsfähigkeit mit erheblichen Folgen für die Untergebenen (Israel) zugeschrieben (2. Mose 18, 13 ff.). Und auch die „Elias-Müdigkeit“ beschreibt ein ähnliches Phänomen: Der

Prophet Elias Verfiel nach einer „Erfolgssträhne“ in tiefe Verzweiflung angesichts einer drohenden Niederlage. Anfang der 70er Jahre wurden in den USA psychische und physische Abbauprozesse bei ehrenamtlichen Helfern/innen mit sozialen Aufgaben beschrieben. Später wurden ähnliche Phänomene auch in sozialen und pflegerischen Berufen beobachtet.

„Burn-out“ ist gekennzeichnet von einer psychischen Erschöpfung, einer zunehmenden Gleichgültigkeit gegenüber Klienten/innen, Betreuter und Kollegen/innen sowie einer verminderten Leistungsbereitschaft / -fähigkeit. Nicht selten treten Schlaflosigkeit und verminderte Konzentrationsfähigkeit auf. Bei Fortschreiten der Erkrankung kommt es u.a. zu Rückzug,

Angstgefühlen, Suchtverhalten und auch körperlicher Erschöpfung. Ein hoher Ehrgeiz und Ideale in Verbindung mit Misserfolgen (häufiger unverschuldeter schicksalhafter Tod von Patienten/innen, geringes positives Feedback von dementen Patienten/innen oder hohe Ziele bei schwierigen Arbeitsbedingungen) gehen mit einem hohen Risiko für ein „Burn-out“ einher.

Dazu gehören sowohl die Arbeitsbedingungen, die durch Verdichtung, zunehmende Komplexität und immer schnellere Veränderungen in der Organisation der Arbeit gekennzeichnet sind, als auch Belastungen durch familiäre Anforderungen (z. B. Kinder, Pflege von Angehörigen) oder eine stark erlebnisorientierte Freizeit mit wenig Raum für Ruhe und Entspannung.

Wie kann die Prävention aussehen?

- Verbesserungen der Arbeitsorganisation,

- Zeitmanagement,

- adäquate Kommunikation

- sowie Schulungen und Fortbildungen zur Bewältigung der Veränderungen im Arbeitsumfeld.

Betriebliche Strukturveränderungen können Verunsicherungen und Ängste auslösen. Ein umsichtiges „Changemanagement“ kann dem entgegenwirken (z. B. umfassende Erläuterung der Prozesse, Konfliktberatung). Schulungen der Führungskräfte und Personalverantwortlichen sind in der Erhaltung der Gesundheit der Mitarbeitenden von besonderer Bedeutung.

Persönlich sollte eine Anpassung der idealistischen Erwartungen an die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten erfolgen („nobody is perfect“). Entspannungstechniken und Sport können die persönlichen Ressourcen verbessern.

Zur Vertiefung des Themas sind folgende Links im Internet empfohlen:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/117040 „Modediagnose Burn-out“, 2011: wissenschaftliche Übersicht über das sog. Burn-out-Syndrom

http://www.entspannungsverfahren.com/pdf/husmann_1.pdf „Burn-out – erkennen, verstehen, vorbeugen“, 2003: ausführliche Erläuterungen (17 Seiten) mit Selbsteinschätzungsfragebogen.